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Paul Gerhardt
Geh aus mein Herz
Geh' aus mein Herz und suche Freud
In dieser schönen Sommerzeit
An deines Gottes Gaben
Schau an der schönen Gärtenzier
Und siehe wie sie mir und dir
|: Sich ausgeschmücket haben :|
2. Die Bäume stehen voller Laub
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide
Narzissen und die Tulipan
Die ziehen sich viel schöner an
|: Als Salomonis Seide :|.
3. Die Lerche schwingt sich in die Luft
Das Täublein fliegt auf seiner Kluft
Und macht sich in die Wälder
Die hochbegabte Nachtigall
Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
|: Berg Hügel Tal und Felder :|
Paul Gerhardt
Bild:
Paul Gerhardt
Ein Christian Gerhardt, Sohn eines Gastwirts war einer dieser Bügermeister. Seine Frau hieß Dorothea und deren Großvater war der Magister Gallus Döbler, gleichfalls Superintendent in Eifenburg. Der Geist von Großvater und Urgroßvater schwebte über dem Kind, das am 12. März 1607 geboren wurde und das nach dem Großvater den Namen Paul erhielt. Paul besuchte die Schule, lernte Latein und Gesang.
Es war eine Zeit religöser Eifereien und Streitereien. So gab es auch schwere Auseinandersetzungen zwischen Calvanismus und Vertretern des Luthertums. Die Kurpfalz , das Rheinland, Nassau und Hessen, Mecklenburg-Güstrow und Schleswig-Gottrop hatten sich der calvinistischen Lehre zugewandt. Bereits sechzig Jahre nach dem Tode Martin Luthers (18. Februar 1546) galt die lutherische Konfession als konservativ und heimisch in den protestantischen Gebieten. Der Calvinismus war in seiner religiösen Ausprägung drängender, französisch angehaucht und galt als fortschrittlich und zukunftsweisend.
Pfarrer und Dichter (1607 - 1676)
Die ehemals kursächsiche Stadt
Gräfenheinichen liegt zwischen Wittenberg und Halle. Um die
Wende des 16. und 17. Jahrhunderts war Hainichen, wie sie in der Region
genannt wird, ein regionales Zentrum. DAs Stadtbild war vom Turm der
Marienkirche geprägt und ein stattliches Schloß war
der Sitz der von Müchelse. Der Kurfürst war durch
einen sogenannten Amtsschösser vertreten, der dessen
Interessen vertrat und drei Bürgermeister walteten
über die Stadt.
Ein Christian Gerhardt, Sohn eines Gastwirts war einer dieser
Bügermeister. Seine Frau hieß Dorothea und deren
Großvater war der Magister Gallus Döbler,
gleichfalls Superintendent in Eifenburg. Der Geist von
Großvater und Urgroßvater schwebte über
dem Kind, das am 12. März 1607 geboren wurde und das nach dem
Großvater den Namen Paul erhielt. Paul besuchte die Schule,
lernte Latein und Gesang.
Es war eine Zeit religöser Eifereien und Streitereien. So gab
es auch schwere Auseinandersetzungen zwischen Calvinismus und
Vertretern des Luthertums. Die Kurpfalz , das Rheinland, Nassau und
Hessen, Mecklenburg-Güstrow und Schleswig-Gottrop hatten sich
der calvinistischen Lehre zugewandt. Bereits sechzig Jahre nach dem
Tode Martin Luthers (18. Februar 1546) galt die lutherische Konfession
als konservativ und heimisch in den protestantischen Gebieten. Der
Calvinismus war in seiner religiösen Ausprägung
drängender, französisch angehaucht und galt als
fortschrittlich und zukunftsweisend.
Bild:Paul
Gerhardt
Ihr vormals schönen Felder
mit frischer Saat bestreut,
jetzt aber lauter Wälder
und dürre wüste Heid,
ihr Gräber voller Leichen
und blutgem heldenschweiß
der Helden, deren gleichen
auf Erden man nicht weiß.
Die bis heute packenden, ergreifenden Texte Paul Gerhardts sind nicht alleine als christliches Liedgut zu verstehen. Paul Gerhardts Schaffen machte ihn auch zu den bedeutendsten Lyrikern der deutschen Sprache. Seine Texte dürfen in keiner anspruchsvollen Anthologie deutscher Lyrik fehlen. Es gibt keine Quellen, aus denen ersichtlich wäre, welche Beweggründe Paul Gerhardt hatte, sich der Dichtung zuzuwenden. Vielleicht war Anstoß und Förderung seines Wittenberger Professors Paul Röber hierfür der Grund. Der hatte ein Lied gedichtet: "O Tod, o Tod, schreckliches Bild". Die Sprache Röbers nimmt die in jener Zeit gehegte Vorstellungen vom Tode auf. Paul Gerhardt hat dieses Röbersche Gedicht überarbeitet.
Viele Gedichte schildern den Jammer der Kriegsnot. Die Nachdichtung des 85. Psalm (Herr, der du vormals hast dein Land) enthält die Verse:
Ach, daß ich hören sollt´das Wort
erschallen bald auf Erden,
daß Friede sollt´an allem Ort,
wo Christen wohnen, werden!
Ach, daß uns doch Gott sagte zu
des Krieges Schluß, der Waffen Ruh
und alles Unglücks Ende!
Ach, daß doch diese böse Zeit
bald wiche guten Tagen,
damit wir in dem großen Leid
nicht mögen ganz verzagen!
Es ist nichts überliefert, welcher Tätigkeit Paul
Gerhardt in Berlin nachging. Er bekommt eine Pfarrstelle in Mittenwalde
angeboten – eine Stadt nur wenige Kilometer von Berlin
entfernt. Die wandten sie sich an das Geistliche Ministerium nach
Berlin, auf der Suche nach einem geeigneten Geistlichen. Von dort
erhielten die Mittenwaldener bald eine Antwort:
"Wir sind hierüber einmütig zu Rat gegangen, wiewohl
wider sein Wissen, welches wir daher auch für den
aufrichtigsten Dienst halten, den Ehrenfesten Vorachtbaren und
Wohlgelahrten Herrn Paulum Gerhardt, sanctae sacrae theologiae
candidatum, welcher sich bei uns allhier in des Churf.
Brandenburgischen Kammergerichts-Advocati, Herrn Andreas Bertholds
Hause befindet, bestermaßen unseren Herren zu solchem Amte
anzutragen, in der Versicherung, daß wir in diesem
wohlgemeinten Vorschlag Ihrer Christlichen Gemeinde eine solche Person
vorhalten, deren Fleiß bekannt, die eines guten Geistes und
ungefälschter Lehren, dabei auch eines ehr- und friedliebenden
Gemütes und christlich untadelhaften Lebens ist, daher auch er
bei Hohen und Niedrigen unseres Ortes lieb und wert gehalten und von
uns all Zeit das Zeugnis erhalten wird, daß er auf unser
freundliches Ansinnen vielen Malen mit seinen von Gott empfangenen
Gaben um unsere Kirche sich beliebt und wohl verdient gemacht hat!"
Bild:Paul
Gerhardt
Es ist ein Jammer, dass keine einzige seiner Predigtniederschriften erhalten geblieben ist. Noch war er unverheiratet. Aber es gab da das Haus des Kammergerichtsadvokaten Berthold, und dessen jüngste Tochter Anna Maria, die ebenfalls noch unverheiratet war. Am 11. Februar 1655 wurde er in dem Bertholdschen Hause durch Propst Vehr getraut. Er war 48 Jahre alt, sie 32. Paul Gerhardt schrieb:
Die Bäumlein, die man fort gesetzt
in wohlbestellten Garten,
die pfleget man zuerst und letzt
vor allen wohl zu warten.
Ihr Bäumlein Gottes, freuet euch,
der Gärtner ist von Liebe reich,
der sich euch heut erwählet.
Was er gepflanzt mit seiner Hand,
hält er in großen Ehren.
Sein Sinn und Aug´ist stets gewandt,
dasselbe zu vermehren,
kommt oft und sieht aus reiner Treu,
was seines Gartens Zustand sei,
was seine Reislein machen.
Und wenn denn unterweilen will
ein rauhes Lüftlein wehen,
ist er bald da, setzt Maß und Ziel,
läßt´s eilends übergehen.
Wenn er betrübt, ist gut gemeint,
er stellt sich hart und ist doch Freund
voll süßer Huld und Gnade.
O selig, der, wenn´s Gott gefällt,
ein Wölklein einzuführen,
ein treues, fröhlich Herz behält,
läßt keinen Unmut spüren.
Ein Wölklein geht ja bald vorbei;
es währt ein Stündlein oder zwei,
so kommt die Sonne wieder.
So gehet nun mit Freuden ein
zu eurem Stand und Orden:
der Weg wird ohne Schaden sein,
der euch gezeiget worden.
Es geht ein Englein vornen an,
und wo es geht, bestreut´s die Bahn
mit Rosen und Violen.
Das Leben des Ehepaars Gerhardt war von
schwerer wirtschaftlicher Not geprägt. Es gibt eine Geschichte
über die Entstehung des Liedes Befiehl du deine Wege, die
berichtete, wie Paul Gerhardts Frau ihn bat ihm Geld zu geben: "Gib mir
nur einen Groschen, daß ich das Allernötigste kaufen
kann. Sonst kann ich dir heute nicht einmal den Tisch zu Mittag
decken!" Er hatte das verlangte Geld jedoch nicht, und soll seiner Frau
gesagt haben: "Ich will dir eine Speise besorgen, die nicht vergeht."
Er setzte sich in sein Gartenhaus und schrieb das Lied
Befiehl du deine Wege.
Am Geburtstag seiner Frau, dem 19. Mai 1656, wurde das erste Kind, eine
Tochter, geboren. Ein halbes Jahr später, am 28. Januar 1657,
ist das Kind in der Kirche zu Mittenwalde begraben worden.
Sechs Jahre wirkte Paul Gerhardt in Mittenwalde. Dann folgte er dem Ruf
an die Nikolaikirche nach Berlin. Während seiner Amtszeit dort
kam es zum Streit zwischen dem Kurfürsten und dem Geistlichen
Ministerium. Das lutherische und das reformierte Bekenntnis wurden
damals allgemein als zwei verschiedene Religionen gewertet.
Kurfüfst Johann Sigismund hatte 1613 den reformierten Glauben
angenommen.
"hie Luther -- hie Synkretisten". Entweder oder. Ein Mittleres gibt es
nicht!
Paul Gerhardt stand zu seinem lutherischen Bekenntnis. Die Reformierten
wurden von dem Hofprediger Stosch geführt. Die Lutheraner
standen unter Gerhardts Amtsgenossen Reinhart. Schon bei den ersten
Verhandlungen war Gerhardt der geistige Führer. Er gab die
schriftlichen Gutachten ab -- und aus diesen Gutachten ist zu sehen,
daß alle weiteren Verhandlungen scheitern mußten.
Es ging um die Frage, ob man sich überhaupt in ein
Gespräch mit den Reformierten einlassen solle? Gerhardt
meinte, die Leute um Stosch seien solche Dickköpfe,
daß sie nun und nimmermehr sich zu dem lutherischen
Bekenntnis bringen ließen.
In der Auseinandersetzung war die Frage aufgeworfen worden, ob man
überhaupt von "reformierten Christen" reden könne.
Und Gerhardt hat die Antwort darauf gegeben: "Daß unter den
Reformierten Christen seien, gebe ich gern zu. Aber daß die
Reformierten, als reformierte Christen, meine Mitchristen, meine
Mitbrüder sind, das leugne ich." So ging das
"Religionsgespräch" sang- und klanglos zu Ende. Am 16.
September 1664 kam die Verordnung Johann Sigismunds vom Jahre 1614 neu
heraus, daß die beiden Kirchen gegenseitig keine Schimpfnamen
auf der Kanzeln gebrauchen dürfen. Man darf von den
Reformierten in Zukunft nicht mehr reden als von Zwinglianern,
Calvinisten, Sakramentierern, Sakramentschändern. Ebenso
dürfen die Lutherischen nicht mehr Ubiquitisten, Flazianer,
Marzioniten, Pelagianer, Eutychianer gennant werden. Dieses Edikt wurde
sämtlichen Geistlichen zugestellt, und sie erhielten den
Befehl, einen Revers zu unterschreiben. Aus Kleve hatte der
Kurfürst im Winter 1666 geschrieben, man solle Gerhardt
vorladen, seine Unterschrift unter den Revers verlangen, und, wenn er
sich weigere, ihn seines Amtes entsetzen. Am 6. Februar 1666
erklärte Paul Gerhardt vor dem Konsistorium, daß er
sich um seines Gewissen willen dem Edikt nicht unterwerfen
könne. Daraufhin wurde die Amtsentsetzung ausgesprochen, am
14. Februar hielt er die letzte Trauung. Es wird erzählt,
daß er damals gesagt habe: "Es ist nur ein geringes
Berlinisches Leiden. Ich bin auch willig und bereit, mit meinem Blute
die evangelische Wahrheit zu besiegeln und als ein Paulus mit Paulus
den Hals dem Schwerte darzubieten!"
In Berlin entstand eine gewaltige Aufregung. Die Verordneten der
Bürgerschaft, die Vertreter der, der Tuchmacher, der
Schumacher, der Bäcker, Schlächter,
Kürschner, Schneider, Zinngießer setzten eine
Eingabe an den Magistrat auf, der das Patronat der Kirche von St.
Nicolai inne hatte, und verlangten, der Magistrat müsse beim
Kurfürsten vorstellig werden, daß er ihnen ihren
"geliebten Prediger und Seelsorger" nicht entziehe. Denn es sei "mehr
als bekannt, daß dieser Mann nimmermehr wider Sr. Churf.
Durchlaucht Glauben geredet und keine Seele mit Worten oder Werken
angegriffen habe". Sie verlangten, daß "dieser fromme,
ehrliche und in vielen Landen berühmte Mann ihnen gelassen
werde". Der Rat legte diese Schrift mit einem Begleitschreiben vor, in
dem gleichfalls betont wurde, daß Gerhardt niemals ein Wort
gegen den Glauben des Kurfürsten und seiner Glaubensgenossen
gesagt habe. Der Kurfürst lehnte ab. Gerhardt sei einer der
hartnäckigsten Gegner der Reformierten. Noch einmal
"sollizierten" die Berliner beim Kurfürsten. Auch die
Tischler, Messerschmiede, Huf- und Waffenschmiede, die Kupferschmiede
schlossen sich an. Der Kurfürst hat sich umstimmen lassen. Er
schrieb den Ständen, daß er die Reversangelegenheit
nach seiner Rückkunft behandeln wolle. Von Gerhardt ist kein
Wort in seinem Briefe. Offenbar wollte sich der Kurfürst Zeit
zur Besinnung lassen. Gerhardt wurde in seinem Pfarrhaus belassen. Wo
sich die Gräfin Maria Magdalena zur Lippe hatte sich
wiederholt nach ihm erkundigt. Sie hatte ihm eine Stelle in Aussicht
gestellt, damit er sich keinen Kummer über seine Zukunft zu
machen brauche. Er lehnt die Berufung in eine Lippesche Stelle ab. Am
3. Januar 1667 ließ Friedrich Hilhelm dem Magistrat von
Berlin mitteilen: Er habe über Paul Gerhardts Person keine
Klage vernommen außer der, daß er die Edikte zu
unterschreiben sich geweigert habe. Er halte also dafür,
daß Gerhardt die Meinung der Edikte nicht recht begriffen
habe. So wolle er ihn völlig wieder restituieren und ihm
gestatten, sein Predigtamt wie vorher zu treiben. Der Kurfürst
ließ Gerhardt zukommen, er solle sich dem Verketzerns und
Verdammens der Reformierten enthalten! Das hieß mit
dürren Worten: Du brauchst den Revers zwar nicht zu
unterschreiben -- aber du mußt dich ihm gehorsam
fügen! Gerhardt geriet in eine neue Not des Gewissens. Es gibt
zwei Briefe von ihm, in denen diese Gewissensnot ihren
erschütternden Ausdruck findet. Der eine Brief ist an den
Magistrat von Berlin gerichtet und der andere an den
Kurfürsten. Der Großvater hatte gesagt: "Lieber Amt
und Beruf drangeben und mit Weib und Kind ins Elend ziehen als wider
das Gewissen zu handeln und den Frieden mit Gott verlieren." Der Enkel
entschied genau so. Der Kurfürst hatte die Sache satt. Er war
bis zum Letzten gegangen -- nun sah er in dem Mann, der sich immer noch
nicht fügen konnte, einen Widerspenstigen, dem nicht zu helfen
und zu raten sei. Am 4. Februar 1667 schrieb er an den Rand der Eingabe
des Magiszrats: "Wenn der Prediger Paul Gerhardt das ihm von
Se. Churf. Durchlaucht gnädigst wieder erlaute Amt nicht
Wieder betreten will, welches er dann vor dem höchsten Gott zu
verantworten haben wird -- so wird der Magistrat in Berlin ehestens
einige andere friedliebende geschickte Leute zur Ablegung einer
Probepredigt einladen, aber Dieselben nicht vocieren, bis sie
zuvörderst Sr. Churf. Durchlaucht von dero Qualitäten
untertänigsten Bericht abgestattet haben!"
Für den Kurfürsten war
die Sache erledigt. Nicht aber für Paul Gerhardt! Ihn verstand
beinahe niemand. Die Bürgerschaft und der Magistrat waren
verdrossen. Er versuchte sich zu rechtfertigen. Wenn er in sein Amt
wieder eintrete unter den Bedingungen, die ihm der Kurfürst
gemacht habe, müsse er die Konkordienformel verleugnen. Es war
der Gegensatz von Staatsräson und protestantischer
Gewissensfreiheit. Der Staat verlangt Unterwerfung. Der Glaube duldet
keine Schranken. Der Staat befiehlt -- der Glaube, der auf befehl
horcht, ist kein Glaube. So werden immer wieder im Lauf der Geschichte
Staat und Glaube des einzelnen hart gegeneinander stoßen,
solange Staat Staat und Glaube Glaube ist. Eine Kirche, die
Männer wie Gerhardt hat, weiß, daß sie
lebt und nicht umzubringen ist!
Die Krankheit seiner Ehefrau, seit der Geburt des Söhnchesn
Paul Friedrich, belastete Paul Gerhardt schwer. Nach der
Geburt des darauffolgenden Kindes wuchs ihr Brustleiden zu unheilbarem
Siechtum aus. Zwei Ärzte mühten sich um sie. Aber sie
vermochten die Schwindsucht nicht mehr zu bannen.
Au dieser Zeit stammen die Zeilen:
Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir;
wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.
Am 5. März 1668 ist sie
gestorben. Sie wurde neben all den Ihren, Eltern und Kindern, in der
Nikolaikirche hinter der Kanzel beigesetzt, auf der ihr Mann nicht mehr
stehen durfte.
In Berlin saß ein einsamer Mann. Der "Fall Paul
Gerhardt" geriet sehr schnell in Vergessenheit. An die
Stelle des "Abgesetzten" kam ein neuer Diakonus nach St. Nikolai.
Gerhardt merkte, daß seines Bleibens in Berlin nicht mehr
lange sein könne. In der Stadt Lübben ist ihm die
Türe aufgetan worden.
Am 14. Oktober predigte er in der Lübbener Kirche und gefiehl.
Am 28. Oktober wurde er einstimmig gewählt.
Paul Gerhardt starb am 27. Mai 1676 und wurde am 7. Juni, dem
ersten Sonntag nach Trinitatis, in der Kirche zu Lübben
bestattet.
"Warum sollt´ich mich denn grämen" vorlesen:
Kann uns doch kein Tod nicht töten,
sondern reißt
unsern Geist
aus viel tausend Nöten,
schließt das Tor der bittern Leiden
und macht Bahn,
da man kann
gehn zu Himmelsfreuden.
Seine Lieder geleiten durch das ganze Kirchenjahr
Eins der bekanntesten Adventslieder ist »Wie
soll ich dich empfangen« (EKG 10).
Zu Weihnachten singen wir: »Fröhlich
soll mein Herze springen« (EKG 27), »Kommt
und laßt uns Christum ehren« (EKG
29), »Ich steh an deiner Krippen hier«
(EKG 28) und »Wir singen dir, Immanuel«
(EKG 30).
Die Jahreswende ist nicht denkbar ohne das Lied »Nun
laßt uns gehn und treten« (EKG 42).
Zum Eingang in die Passionszeit singen wir gern: »Ein
Lämmlein geht und trägt die Schuld«
(EKG 62).
Unter das Kreuz von Golgatha führt uns Gerhardt in seinem Lied
»O Welt, sieh hier dein Leben«
(EKG 64). 7 seiner Passionslieder sind Nachdichtungen lateinischen
Hymnen. Das bekannteste dieser sog. "Salvelieder" ist »O
Haupt voll Blut und Wunden« (EKG 63). Zu
Ostern jubeln wir: »Auf, auf, mein Herz, mit
Freuden nimm wahr, was heut geschicht!« (EKG
86). Pfingsten feiern wir mit: »Zeuch ein zu
deinen Toren« (EKG 105)
Unter den Morgen- und Abendliedern des Gesangbuches sind viele von ihm.
Seine Kreuz- und Trostlieder sind für jeden Christen
Lichtstrahlen im Dunkel der Anfechtung sein und Quelle des Trostes und
der Kraft, so zum Beispiel: »Befiehl du deine
Wege« (EKG 294), »Warum
sollt ich mich denn grämen?« (EKG
297), »Gib dich zufrieden und sei stille in dem
Gotte deines Lebens« (EKG 295). Seine
Sterbenssehnsucht und Heimweh nach dem himmlischen Vaterhaus kommt in
seinem »Pilgerlied« ergreifend zum Ausdruck:
»Ich bin ein Gast auf Erden«
(EKG 326). Dies ist nur ein Teil der Lieder, die Paul Gerhardt schuf.
Wir besitzen von ihm einschließlich seiner
Gelegenheitsgedichte 133 Lieder. So wurde er durch seine Lieder zum
Seelsorger und Tröster ungezählter Christen.